Manching, 5. März 2026 – Das milliardenschwere Luftkampfsystem FCAS droht an Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland zu scheitern. Die Beschäftigen von Airbus in Manching fürchten mittelfristig um ihre Jobs. Sie fordern Politik und beteiligte Unternehmen auf, das gesamte Projekt auf neue Füße zu stellen, um so auch die Arbeitsplätze vor Ort zu sichern. Bei einer Kundgebung am Standort unterstrichen knapp 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lautstark diese Forderung unter dem Motto „FCAS – aber besser!“. Die Veranstaltung am größten Standort der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland ist der Höhepunkt des gleichnamigen Aktionstages, ausgerufen von der IG Metall gemeinsam mit dem BDLI. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter betonten gemeinsam die Dringlichkeit einer Entscheidung der Bundesregierung.
Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Airbus Defence and Space, rief Bundeskanzler Merz auf, das Drama mit Dassault endlich zu beenden. Er forderte gleichzeitig den Startschuss für ein neues Kampfflugzeug und betonte die Bereitschaft der Airbus Belegschaft: „Die Bundesregierung muss die Lufthoheit über Deutschland gewährleisten. Unabhängig von den Launen der US-Politik, unabhängig von den Launen eines französischen Flugzeugherstellers. Das nennen wir Souveränität. Heute geschieht das durch den Eurofighter morgen durch seinen Nachfolger. Wir stehen bereit!“
Weitere Stimmen zur Veranstaltung:
Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien: „Die internationale Ordnung gerät von Tag zu Tag mehr aus dem Gleichgewicht. Darum müssen wir Europa so schnell wie möglich verteidigungsfähig machen. FCAS sowie ein Kampfflugzeug der 6. Generation sind zentrale Bausteine unserer europäischen Verteidigungsfähigkeit. Wir können und wollen dieses europäische Gemeinschaftsprojekt FCAS umsetzen – am liebsten mit unseren Partnern. Unser Ziel bleibt die Entwicklung eines Kampflugzeugs der 6. Generation unter deutscher Federführung. Jetzt kommt es darauf an, den Stillstand zu beenden und die deutsche Industrie umfassend einzubinden. Bayern steht für militärische Hightech der Spitzenklasse. Diese wollen wir erhalten: durch Stärkung unserer Sicherheit und Stärkung unserer Wirtschaft! Herzlichen Dank allen, die für das Projekt kämpfen!“
Dr. Michael Schöllhorn, CEO Airbus Defence and Space: "Sicherheit lässt sich nicht vertagen. Die Luftwaffe braucht ein FCAS. Wenn das Projekt aber in Geiselhaft genommen wird, die vereinbarten Regeln einseitig infrage gestellt, die deutsche Industrie und die deutschen Anforderungen nicht berücksichtigt werden, dann können wir unseren industriellen Auftrag nicht erfüllen. Verteidigungsfähigkeit bedeutet Lieferfähigkeit – deshalb brauchen wir jetzt ein FCAS mit einer Zwei-Fighter-Lösung, die funktioniert, statt einer Blockade, die unsere industrielle Basis in Deutschland und die künftigen Fähigkeiten für die Luftwaffe gefährdet. Wir bei Airbus und in der deutschen Industrie sind bereit – jetzt ist die Politik am Zug."
Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall: „Wenn die Bundesregierung Milliarden Steuergelder in die Hand nimmt, muss auch die heimische Industrie zu einem fairen Anteil davon profitieren und es müssen Arbeitsplätze hier bei uns entstehen. Bei FCAS ist das Stand jetzt nicht gewährleistet. Im Gegenteil, das Programm droht zu scheitern. Das darf nicht passieren! FCAS muss jetzt zukunftsfähig und fair neu aufgestellt werden. Wir erwarten von der Politik und den beteiligten Unternehmen, den Umbau sofort anzugehen.“
Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des BDLI: „Wenn die Bundesregierung jetzt ein klares Startsignal setzt, können wir – gemeinsam mit europäischen Partnern – einen echten Schritt nach vorne machen. Unsere Botschaft heute ist ganz eindeutig: Wir können, wir wollen und wir werden ein Kampfflugzeug der nächsten Generation bauen. Und wir sagen ebenso klar: Selbstverständlich mit europäischen Kooperationspartnern – aber auf Augenhöhe. Die Lösung, damit FCAS erfolgreich abhebt, sind zwei Kampfflugzeuge. Eines, das den strategischen Interessen Deutschlands dient und eines, das sich an den Anforderungen Frankreichs orientiert.“
Betriebsrat Airbus Manching
Das Gruppenfoto zeigt v.l. Frank Bergmann, Andreas Domke, Marie-Christine von Hahn, Jürgen Kerner, Thomas Pretzl, Dr. Florian Herrmann, Dr. Michael Schöllhorn, Tobias Weber, Andreas Hammer, Lisa Mongs.
Das Copyright gilt dem Betriebsrat Airbus Manching.