Ingolstadt, 18. März 2026 – Die IG Metall Ingolstadt hat auf ihrer Delegiertenversammlung am vergangenen Mittwoch die arbeits-, tarif- und gesellschaftspolitischen Leitlinien für das Jahr 2026 beschlossen. Im Fokus standen der Geschäftsbericht, die sehr erfolgreichen Betriebsratswahlen in der Region, die kommende Tarifbewegung sowie die zentralen industriepolitischen Weichenstellungen für sichere Arbeitsplätze. Carlos Gil, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt, skizziert für das Jahr 2026 einen klaren Kurs: „Gemeinsam stellen wir uns motiviert und entschlossen neuen Herausforderungen – getragen von starken, neu gewählten Betriebsräten, klarer Haltung und der Bereitschaft, in der Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie für unsere Ziele zu kämpfen.“
Starke Signale aus den Betrieben
Die Delegierten würdigten die Ergebnisse und Wahlbeteiligungen bei den Betriebsratswahlen, die in den Betrieben der Region großes Interesse und ein klares Votum für Mitbestimmung und IG Metall‑Listen darstellen. Christian Daiker, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt, betonte, dass die gewählten Betriebsrätinnen und Betriebsräte ein zentrales Element für die Stabilität und Sicherung von über 64.000 Arbeitsplätzen in der Region sind. Karola Frank, ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall und Vorsitzende der IG Metall‑Vertrauenskörperleitung bei Audi, brachte die bundesweite Perspektive ein: „Bereits die ersten zwei Wochen der Betriebsratswahlen zeigen bundesweit einen positiven Trend für die IG Metall: Das ist bereits jetzt ein deutliches Zeichen und zeigt, dass wir das Bollwerk für Demokratie im Betrieb sind. Die Kolleginnen und Kollegen verstehen genau, wer wirklich an ihrer Seite steht. Wir sind diejenigen, die sich einsetzen, den Menschen zuhören, Themen der Beschäftigten aufnehmen, vorantreiben und dann auch gemeinsam mit ihnen durchsetzen.“
Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie
Einen breiten Raum nahm die Vorbereitung der diesjährigen Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie ein. Die bundesweite Beschäftigtenbefragung, die zur Jahresmitte durchgeführt wird, bildet die Grundlage für die anschließenden Forderungsdebatten. Die IG Metall setzt dabei traditionell auf direkte Gespräche mit den Beschäftigten, ergänzt durch eine breit angelegte digitale Befragung, um so ein bestmögliches Stimmungsbild ihrer Mitglieder zu erhalten. Bis Ende August werden die Forderungsdebatten in den Betrieben geführt, bevor die Delegiertenversammlung Ingolstadt voraussichtlich am 17. September ihre Forderungsempfehlung beschließt. Die Empfehlungen aus bundesweit weiteren 144 Geschäftsstellen bilden die basisdemokratische Grundlage für die Forderungsbeschlüsse in den einzelnen bezirklichen Tarifkommissionen und münden in die anschließende Entscheidung durch den Vorstand der IG Metall. Daiker verdeutlichte und schwor zugleich die Anwesenden ein: „Es wird wie immer eine anspruchsvolle Tarifbewegung unter herausfordernden Rahmenbedingungen, bei der unser Fokus auch auf der Sicherung von Beschäftigung liegen wird. Eines ist aber schon heute klar: Eine Zurückhaltung beim Thema Entgelt wird unserer Wirtschaft nicht guttun. Als IG Metall werden wir dafür sorgen, dass bei den hart arbeitenden Menschen ein Plus im Geldbeutel ankommt.“
Industriepolitik: Local Content stärken, Bürokratie abbauen
In der politischen Aussprache betonte die Versammlung die Verantwortung der IG Metall, sich aktiv in gesellschaftliche Debatten einzubringen. Gil unterstrich: Die IG Metall sei eine politische Organisation – und könne daher in den Betrieben nicht unpolitisch handeln. Diskutiert wurden unter anderem Schritte zum Bürokratieabbau sowie Fragen der Infrastruktur- und Standortpolitik. Besonders im Fokus stand die Notwendigkeit, die Beschränkung auf Fahrzeuge „Made in EU“ schnell zu prüfen. Unternehmen, die unter schlechten Arbeits- oder Umweltstandards außerhalb Europas produzieren, sollten nicht von deutschen Steuergeldern profitieren. Fördermittel müssen in hiesigen Werken ankommen – und in Beschäftigung münden. Local Content bedeutet für die IG Metall keinen Protektionismus, sondern fairen Wettbewerb, stabile Lieferketten und nachhaltige Investitionen in Europa – branchenübergreifend entlang der gesamten Wertschöpfung.
Berichtet wurde in diesem Zusammenhang über den jüngsten Austausch mit Dennis Radtke, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der CDU. Daiker hob hervor: „Wir müssen auf allen Ebenen unsere Positionen und Forderungen platzieren und dürfen dieses Feld nicht finanzstarken professionellen Lobbyisten überlassen. Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene darf man nicht unterschätzen, denn auch sie sind wichtig für die Zukunft unserer Industrie und für sichere, gute Arbeitsplätze“, so der Gewerkschafter.
Maikundgebung
Abschließend gab Christian De Lapuente, Organisationssekretär des DGB Oberbayern, einen Ausblick auf den diesjährigen Tag der Arbeit, der unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Rendite“ steht. In der Region finden wie gewohnt Veranstaltungen in Ingolstadt, Neuburg, Kösching und Pfaffenhofen statt – zu denen der DGB bereits jetzt herzlich einlädt.
Die Delegiertenversammlung der IG Metall Ingolstadt machte deutlich, dass die Region geschlossen und entschlossen in ein anspruchsvolles Jahr startet – mit starken Betriebsratsgremien, klaren tarifpolitischen Zielen und einer deutlichen industriepolitischen Haltung.
Carlos Gil betont unmissverständlich, dass die bevorstehende Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie wieder harte Auseinandersetzungen mit sich bringen wird – und die IG Metall dafür gut aufgestellt ist.
Fotograf: Markus Bachmeier