- Christiane Benner, 1. Vorsitzende der IG Metall: „Wir brauchen eine klare Zukunftsstrategie.“
- Karola Frank, Vorsitzende der IG Metall bei Audi: „Investitionen statt weiterer Kürzungsprogramme.“
- Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Audi Gesamtbetriebsrats: „Klare Leitplanken für die Zukunft von Audi.“
- Carlos Gil, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt: „Transformation braucht Sicherheit: Für Arbeitsplätze, Standorte und faire Einkommen.“
Ingolstadt, 17. Oktober 2026 – Die IG Metall bei Audi hat auf ihrer Vertrauensleutevollversammlung den Schulterschluss für die anstehenden Auseinandersetzungen um Beschäftigung, Standorte und Einkommen bekräftigt. Im Mittelpunkt vor rund 700 Vertrauensleuten standen die Ausführungen der Vorsitzenden der IG Metall Christianne Benner zur wirtschaftlichen Lage der Automobilindustrie und der Tarifbewegung 2026. Karola Frank und Jörg Schlagbauer erläuterten die Leitlinien für die anstehenden Gespräche zur Audi.Zukunftsvereinbarung mit der Audi Unternehmensleitung.
„Die Zeiten sind ernst. Wir müssen die Lage nüchtern betrachten, unsere Interessen klar benennen und gemeinsam handeln“, erklärte Karola Frank, Vorsitzende der IG Metall-Vertrauenskörperleitung bei Audi. Die Vertrauensleute seien das Rückgrat der gewerkschaftlichen Arbeit im Betrieb: Sie nähmen Sorgen auf, räumten mit Falschinformationen auf und machten aus vielen Stimmen eine gemeinsame Kraft
„Investitionen statt weiterer Kürzungsprogramme“
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich nach Einschätzung der IG Metall bei Audi in einer tiefgreifenden industriellen Neuordnung. Elektromobilität, Software, Digitalisierung und künstliche Intelligenz veränderten Produkte und Wertschöpfung, während geopolitische Konflikte, Zölle, hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie der internationale Wettbewerb den Druck zusätzlich verschärften. Eine einseitige Antwort zulasten der Beschäftigten lehnt die IG Metall bei Audi ab.
„Löhne runter, Arbeitszeit rauf und Mitbestimmung weg – das wäre kein Zukunftskonzept, sondern ein Abstiegskonzept“, so Frank. Die IG Metall bei Audi fordert von Politik und Unternehmen Investitionen statt bloßer Kürzungsprogramme, belastbare Zusagen für Standorte, Produkte und Qualifizierung sowie faire Regeln im internationalen Wettbewerb. Transformation könne nur gemeinsam mit den Beschäftigten gelingen. Karola Frank: „Wir brauchen Investitionen statt weiterer Kürzungsprogramme.“
Klare Zukunftsstrategie gefordert
Christiane Benner, 1. Vorsitzende der IG Metall: „Die Beschäftigten in der Autoindustrie, auch bei Audi, haben zurecht die Nase voll davon, ständig mit einer Drohkulisse von Verlagerung und Abbau konfrontiert zu sein. Sie leisten harte und sehr gute Arbeit, die das Unternehmen anerkennen muss.
Es braucht in der gesamten Autoindustrie eine klare Zukunftsstrategie, Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Ideen, wie man die Branche und den Standort gleichermaßen nach vorn bringt. Daran müssen die Vorstände arbeiten, statt am Abgesang auf die deutschen Automobilstandorte. Wer so stattlich bezahlt wird wie die hiesigen Vorstände, der muss bessere Ideen haben als einfach nur: Schließen und kündigen.
Aber auch aus Berlin und Brüssel brauchen wir klares Handeln. Konsequente Industriepolitik, der Einsatz für die Industrie auf europäischer Ebene und effektive Handelsschutzmaßnahmen müssen auf der politischen To-Do-Liste ganz oben stehen!“
„Klare Leitplanken für die Zukunft von Audi“
Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Audi Gesamtbetriebsrats erklärte: „Bei Audi kommt es nun darauf an, die vereinbarten Mittel konsequent in Zukunftsfähigkeit zu übersetzen. Gleichzeitig muss jede weitere Vereinbarung konkrete Perspektiven für Ingolstadt und Neckarsulm schaffen: neue Produkte, ausreichende Auslastung, moderne Anlagen, Software- und Elektronikkompetenz, frühzeitige Qualifizierung und Zukunftschancen für junge Menschen. Wir brauchen klare Leitplanken für die Zukunft von Audi.“ Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 bleibe bestehen, so Schlagbauer weiter.
„Wir stehen zu Veränderungen, wenn sie Zukunft schaffen. Wir stellen uns aber gegen Veränderungen, die lediglich Kosten verschieben und Risiken bei den Beschäftigten abladen“, ergänzt Karola Frank hinsichtlich der anstehenden Verhandlungen. Effizienz dürfe nicht bedeuten, dass die gleiche Arbeit auf weniger Schultern verteilt werde. Standortzusagen müssten mit konkreten Produkten, Kompetenzen, Budgets und Zeitplänen hinterlegt sein.
Tarifbewegung: Transformation braucht Sicherheit: Für Arbeitsplätze, Standorte und faire Einkommen.
Carlos Gil, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Ingolstadt: „Die größte Herausforderung für unsere Industrie ist die Transformation. Beschäftigte erwarten zu Recht Sicherheit für ihre Arbeitsplätze, ihre Standorte und ihre Zukunft. Deshalb gehören faire Einkommen und verbindliche Zusagen zur Beschäftigungssicherung untrennbar zusammen. Unsere Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt ist angesichts der Preisentwicklung der vergangenen Jahre moderat und wirtschaftlich verantwortbar. Wer von den Beschäftigten Höchstleistungen bei der Transformation erwartet, muss ihnen zugleich Zukunftsperspektiven und Sicherheit geben. Es geht nicht nur um Einkommen, sondern vor allem um die Frage, wie industrielle Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und starke Standorte dauerhaft gesichert werden können. Dafür werden wir gemeinsam eintreten.“